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A. Begriffsabgrenzung „Auszahlung - Ausgabe – Aufwand - Kosten“

Die meisten Betriebe sind gesetzlich verpflichtet, einmal jährlich ihr sogenanntes Unternehmensergebnis zu ermitteln. Diese Ermittlung erfolgt in einer Gewinn- und Verlustrechnung, in der die Aufwendungen und Erträge eines Geschäftsjahres gegenübergestellt werden. Als Differenz zwischen Aufwendungen und Erträgen ergibt sich dann der Jahresüberschuss, auch als Unternehmensergebnis bezeichnet, der dem Finanzamt neben der Bilanz als Grundlage für die steuerliche Veranlagung dient.

 

In das Unternehmensergebnis fließen jedoch möglicherweise Geschäftsvorfälle ein, die entweder mit dem eigentlichen operativen Geschäft des Betriebes nichts zu tun haben oder deren Ursache nicht in der Betrachtungsperiode liegt. Solche Geschäftsvorfälle können z. B. der Verkauf von Vermögensgegenständen, Vernichtung von Betriebsvermögen durch Brand oder andere Katastrophen, Gewinne oder Verluste bei Aktiengeschäften usw. sein. Diese Art von Geschäftsvorfällen werden in der Kostenrechnung für die laufende Periode nicht berücksichtigt, sie dürfen nicht die Kalkulation der Produkte beeinflussen.

 

Ob ein Unternehmen im operativen Geschäft wirtschaftlich arbeitet, kann also anhand des Unternehmensergebnisses nicht oder nur unzureichend beurteilt werden. Aus diesem Grund ermittelt der Kostenrechner das sogenannte Betriebsergebnis, welches sich aus der Differenz zwischen Kosten und Leistungen einer Periode ergibt.

 

Unternehmensergebnis = Ertrag – Aufwand

 

Betriebsergebnis = Leistungen - Kosten

 

Um zu verstehen, wodurch sich Unternehmens- und Betriebsergebnis unterscheiden,  müsssen die Begriffe Ertrag und Leistung auf der einen Seite, sowie Aufwand und Kosten auf der anderen Seite definiert und von einander abgegrenzt werden. Darüber hinaus benutzt die Betriebswirtschaftslehre zur Bezeichnung der vom betrieblichen Rechnungswesen erfassten Zahlungs- und Leistungsströme weitere Begriffe, die im Folgenden sämtlich definiert und erläutert werden sollen. Diese Begriffe sind:

 

Begriffe

 

Hier soll zunächst auf die Unterschiede zwischen Auszahlung – Ausgabe – Aufwand - Kosten eingegangen werden. Begonnen wird mit dem Unterschied zwischen Auszahlung und Ausgaben.

 

Auszahlung - Ausgabe

Unter einer Auszahlung versteht man die Verminderung des Kassenbestandes eines Unternehmens, wobei nicht nur das Bargeld, sondern auch das Giralgeld zum Kassenbestand gezählt werden.

 20Aus


Unter einer Ausgabe versteht man jede Verminderung des Geldvermögens eines Unternehmens. Das Geldvermögen eines Betriebes besteht aus dem Kassenbestand (Bargeld und Giralgeld) zuzüglich der Forderungen, abzüglich der Verbindlichkeiten.

 

Geldvermögen

 

Die in diesem Beispiel angenommenen Zahlen sind der Ausgangspunkt für die im Folgenden behandelten Fälle.

Es sind drei Fälle zu unterscheiden:

  1. Auszahlungen, die nicht gleichzeitig Ausgaben sind
  2. Auszahlungen, die gleichzeitig Ausgaben sind
  3. Ausgaben, die nicht gleichzeitig Auszahlungen sind

 Beispiel zu Fall 1 (Auszahlung, aber keine Ausgabe):

 Wir begleichen eine Verbindlichkeit in Höhe von 20.000 € durch Banküberweisung.

Durch diesen Geschäftsvorfall wird in der Betrachtungsperiode unser Kassenbestand um 20.000 € verringert, das Geldvermögen des Unternehmens bleibt jedoch gleich, da sich die Verbindlichkeiten ebenfalls um 20.000 € verringern.

 

Fall 1

 

Beispiel zu Fall 2 (Auszahlung und gleichzeitig Ausgabe):

Wir kaufen einen PKW zu 30.000 € durch Banküberweisung.

Sowohl unser Kassenbestand wie auch unser Geldvermögen verringert sich um 30.000 €.

 

Fall 2

 

Beispiel zu Fall 3 (Ausgabe, aber keine Auszahlung):

Wir kaufen in der laufenden Periode für 5.000 € Rohstoffe auf Ziel. Die Begleichung der Verbindlichkeit erfolgt erst in einer Folgeperiode.

Durch diesen Geschäftsvorfall bleibt unser Kassenbestand unverändert, das Geldvermögen reduziert sich allerdings um 5.000 €, da sich die Verbindlichkeiten um den gleichen Betrag erhöhen.

 

Fall 3

 

2. Ausgabe – Aufwand

Alle Geschäftsvorfälle, die zu einer Minderung des Gewinns in der Gewinn- und Verlustrechnung führen, werden als Aufwand bezeichnet.

Auch hier sind wieder drei Fälle zu unterscheiden:

  1. Ausgaben, die nicht gleichzeitig Aufwand sind
  2. Ausgaben, die gleichzeitig Aufwand sind
  3. Aufwand, der nicht gleichzeitig Ausgabe ist

 

Beispiel zu Fall 1:

Kauf einer Maschine durch Banküberweisung im Januar, die Abschreibung erfolgt erst im Dezember.

Im Januar liegt sowohl eine Auszahlung wie auch eine Ausgabe in Höhe von 10.000 € vor. Im Januar handelt es sich bei der Buchung Maschine/Bank um einen reinen Aktivtausch, der keinerlei Auswirkungen auf den Unternehmensgewinn hat, also keinen Aufwand darstellt.

  

Beispiel zu Fall 2:

Wir kaufen im Januar Büromaterial im Wert von 75,00 €. Die Bezahlung erfolgt in bar.

Im Januar liegt eine Auszahlung, eine Ausgabe und Aufwand in Höhe von 75,00 € vor, da dieser Geschäftsvorfall sofort erfolgswirksam und damit gewinnmindernd verbucht wird.

 

Beispiel zu Fall 3:

Eine vor drei Jahren gekaufte und bezahlte Maschine wird im Dezember des laufenden Jahres abgeschrieben. 

Hier liegt weder eine Auszahlung noch eine Ausgabe vor. Die Buchung der Abschreibung schmälert jedoch den Gewinn, es liegt also ein Aufwand vor.

 

3. Aufwand – Kosten

Die Abgrenzung zwischen Aufwand und Kosten ist für die Kostenrechnung von herausragender Bedeutung, da es sich hier um die Schnittstelle zwischen Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung handelt.

Es ist Aufgabe des Finanzbuchhalters, sämtliche Aufwendungen einer Periode zu erfassen. Der Kostenrechner ermittelt dann auf der Grundlage dieser Aufwendungen der Finanzbuchhaltung die Kosten der Periode, indem er Aufwendungen eliminiert, die nicht kostengleich sind und bestimmte Kosten hinzurechnet, die nicht als Aufwand in der Finanzbuchhaltung erscheinen. Wie aus dem Aufwand einer Periode die Kosten dieser Periode ermittelt werden, soll im Folgenden erläutert werden.

Im Gesamtaufwand einer Periode enthalten sind die sogenannten neutralen Aufwendungen, die keine Kosten sind, weil sie die Kalkulation der hergestellten Produkte nicht beeinflussen dürfen oder sollen. Neutrale Aufwendungen sind:

  •  Betriebsfremde Aufwendungen (z. B. Spekulationsverlust des Schuhfabrikanten am Aktienmarkt)
  • Periodenfremde Aufwendungen (z. B. in der laufenden Periode wird ein Prozess verloren, dessen Ursache in einer Vorperiode liegt und für den keine Rückstellung gebildet wurde).

  • Außerordentliche Aufwendungen (z. B. ein nicht versichertes Gebäude wird durch Brand zerstört)

     

Auswand 

Sind die neutralen Aufwendungen eliminiert, verbleibt der sogenannte ordentliche Aufwand, auch als Zweckaufwand bezeichnet. Dieser Teil des Aufwandes stellt gleichzeitig Kosten dar und wird von der Kostenrechnung auch Grundkosten genannt. Zum Zweckaufwand (= Grundkosten) zählen z. B. Löhne, Gehälter, Verbrauch von Material, Telefon, Porto, Büromaterial usw.

Über diesen Zweckaufwand = Grundkosten hinaus gibt es nun aber noch weitere Kosten, die entweder nicht (Zusatzkosten) oder in anderer Höhe (Anderskosten) als Aufwand in der Finanzbuchhaltung auftauchen. Diese Kosten werden zusammenfassend als kalkulatorische Kosten bezeichnet.

 

Kalkulatorische Kosten sind:

  • Kalkulatorische Abschreibungen
  • Kalkulatorische Zinsen
  • Kalkulatorische Wagniszuschläge
  • Kalkulatorischer Unternehmerlohn
  • Kalkulatorische Miete

 

Kalk. Kosten

 

Aus dem vom Finanzbuchhalter erfassten Aufwand ermittelt der Kostenrechner also die Kosten, indem er die neutralen Aufwendungen zunächst eliminiert und dann um die kalkulatorischen Kosten ergänzt. Auf die Problematik der kalkulatorischen Kosten wird zu einem späteren Zeitpunkt in einem gesonderten  Themenbereich im Einzelnen eingegangen.

 

Aufwand-Kosten

 

B. Begriffsabgrenzung  „Einzahlung - Einnahme – Ertrag - Leistung“

 

1. Einzahlung – Einnahme

 

Unter einer Einzahlung versteht man die Vermehrung des Kassenbestandes eines Unternehmens.

 

Kassenbestand


Unter einer Einnahme versteht man jede Vermehrung des Geldvermögens eines Unternehmens. Das Geldvermögen eines Betriebes besteht aus dem Kassenbestand (Bargeld und Giralgeld) zuzüglich der Forderungen, abzüglich der Verbindlichkeiten.

 

Geldvermögen

 

  Es sind nun drei Fälle zu unterscheiden:

  1. Einzahlungen, die nicht gleichzeitig Einnahmen sind
  2. Einzahlungen, die gleichzeitig Einnahmen sind
  3. Einnahmen, die nicht gleichzeitig Einzahlungen sind

 

Beispiel zu Fall 1:

Ein Kunde begleicht unsere Forderung in Höhe von 10.000 € durch Banküberweisung.

Durch diesen Geschäftsvorfall wird in der Betrachtungsperiode unser Kassenbestand um 10.000 € erhöht, also liegt eine Einzahlung vor. Gleichzeitig verringern sich durch diesen Geschäftsvorfall unser Forderungen um 10.000 €, so dass das Geldvermögen insgesamt gleich bleibt. Es liegt also keine Einnahme vor.

 Fall 1

 

Beispiel zu Fall 2:

Ein Kunde kauft von uns Produkte im Wert von 20.000 € und begleicht die Rechnung durch Banküberweisung. 

Sowohl unser Kassenbestand wie auch unser Geldvermögen erhöhen sich um 20.000 €. Es liegt also sowohl eine Einzahlung wie eine Einnahme vor.

 

Fall 2

 

Beispiel zu Fall 3:

Ein Kunde kauft von uns Produkte im Wert von 5.000 € auf Ziel. Die Begleichung der Rechnung erfolgt erst in einer Folgeperiode.

Durch diesen Geschäftsvorfall bleibt unser Kassenbestand unverändert, das Geldvermögen erhöht sich allerdings um 5.000 €, da sich unsere Forderungen um den gleichen Betrag erhöhen.

 

Fall 3


 

2. Einnahme - Ertrag

Alle Geschäftsvorfälle, die zu einer Mehrung des Gewinns in der Gewinn- und Verlustrechnung führen, werden als Ertrag bezeichnet

Auch hier sind wieder drei Fälle zu unterscheiden:

  1. Einnahmen, die nicht gleichzeitig Ertrag sind
  2. Einnahmen, die gleichzeitig Ertrag sind
  3. Ertrag, der nicht gleichzeitig Einnahme ist

 

Beispiel zu Fall 1:

Wir verkaufen eine Maschine zum Buchwert, der Kunde zahlt durch Banküberweisung.

Es liegt sowohl eine Einzahlung wie auch eine Einnahme vor, da sich sowohl der Kassenbestand wie auch das Geldvermögen erhöhen. Der Verkauf einer Maschine zum Buchwert stellt jedoch keinen Ertrag dar, da es sich um einen reinen Aktivtausch handelt (Buchungssatz: Bank/Maschine).

 

Beispiel zu Fall 2:

Wir verkaufen Waren auf Ziel.

Es liegt keine Einzahlung vor, da unser Kassenbestand durch den Geschäftsvorfall nicht verändert wird. Unsere Forderungen nehmen jedoch zu, also liegt eine Einnahme vor. Da der Verkauf der Ware einen Umsatzerlös darstellt, erhöht sich dadurch unser Gewinn, es liegt also auch ein Ertrag vor

 

Beispiel zu Fall 3:

Auf eine zuvor abgeschriebene Beteiligung wird eine Zuschreibung vorgenommen.

Durch diesen Geschäftsvorfall verändert sich das Geldvermögen nicht, es liegt also keine Einnahme vor. Der Gewinn des Unternehmens steigt jedoch in Höhe der vorgenommenen Zuschreibung, es handelt sich also um einen Ertrag.

 

3. Ertrag - Leistung

Als Leistung wird in der Betriebswirtschaftslehre das Ergebnis eines betrieblichen Erzeugungsprozesses bezeichnet.

Bei der Abgrenzung der Begriffe Ertrag und Leistung ist zunächst festzustellen, dass die neutralen Ertrage, also die betriebsfremden, periodenfremden und außerordentlichen Erträge, nicht zu den Leistungen zählen.

Bei der Ermittlung der betrieblichen Leistung einer Periode muss weiterhin berücksichtigt werden, dass ein Unternehmen nicht nur Produkte herstellt, die für den Absatzmarkt bestimmt sind, sondern darüber hinaus u. U. auch sogenannte Eigenleistungen produziert, die nicht verkauft werden und sich demzufolge auch nicht in den Umsatzerlösen niederschlagen.

Geht man bei der Ermittlung der Leistung einer Periode von den Umsatzerlösen aus, so müssen zu diesen die Eigenleistungen addiert werden, um die Gesamtleistung der Periode zu ermitteln.

Weiterhin sind bei der Ermittlung der Leistung einer Periode eventuelle Lagerbestandsänderungen bei fertigen und halbfertigen Erzeugnissen zu berücksichtigen. Hat ein Unternehmen in einer Periode z. B. mehr Erzeugnisse hergestellt als verkauft, so erhöht sich hierdurch sein Lagerbestand. Die erbrachte Leistung liegt dann um eben diese Lagerbestandserhöhung über den Erlösen. Eventuell vorhandene Lagerbestandserhöhungen der Periode müssen den Erlösen also hinzugerechnet werden, um die Leistung zu ermitteln.

Hat sich der Lagerbestand in der Betrachtungsperiode hingegen verringert, so wurde weniger produziert als verkauft, die erbrachte Leistung war also geringer als die Umsatzerlöse. Von den Umsatzerlösen der Periode müssen also Lagerbestandsminderungen abgezogen werden, um die Leistung zu ermitteln.

Das folgende Schema zeigt, wie sich ausgehend von den in der G + V ausgewiesenen Umsatzerlösen einer Periode die Leistung der Periode ermitteln lässt: 

 

Leistung

 

 

 

 

 

 

Zusätzliche Informationen